Mitte November, es ist feucht und saukalt und ich sitze mit zwei Freaks an einem für uns neuen See.
Bin ich jetzt auch ein Freak? Wenn man einige aus meinem Bekanntenkreis darauf anspricht wird man immer die gleiche kurz prägnante Antwort erhalten. „ JA“
Aber ok, wenn ich Bruno und Daniel „ alias Dr. Polsinger“ als Freaks bezeichnen darf, stört es mich in keiner Weise auch als ein solcher betitelt zu werden.
Jeder von uns Dreien hat was das Fischen angeht seine eigene bestimmte Herangehensweise, aber im Großen und Ganzen kommt es immer auf gleiche Ergebnis. Wir versuchen soviel wie möglich unserer so kostbaren Freizeit am Wasser zu verbringen. Für unser Umfeld - manchmal - sogar zuviel Zeit, sodass sie ab und an froh sind, wenn wir mal in die Kneipe Einen heben gehen, damit wir unsere Sozialenkontakte nicht gänzlich verlieren.
Konzentrieren wir uns wieder auf das Wesentliche.
Neues Gewässer für uns Drei. Die spärlichen Informationen, die ich mir telefonisch angeeignet hatte sollten sich nicht als weis wie Gott so nützlich erweisen, da wir nicht damit gerechnet hatten, dass der See nur eine Durchschnittstiefe von 1,5 Meter aufweisen würde. Für eine Spätherbstsession ein echter Griff ins Klo. Das Wasser zeigte sich laut Echo mit 3 Grad von der sehr frischen Seite und somit waren unsere Erwartungen an diesen Trip mit einmal ganz neu bewertet.
Der See wurde grundsätzlich deswegen angesteuert, da er zwar keine großen Fische mit über 20 + beheimaten soll, aber wegen seiner schönen und einmaligen Spiegler als kleiner Geheimtipp gilt.
Die Autos waren ausgeladen und das Camp wurde errichtet und das alles bei nass kaltem November- wetter, wo man eigentlich lieber am Kamin sitzt und einen guten Tee mit oder ohne Rum ( ist Geschmacksache ) genießt.
Aber nun waren wir halt hier und waren auch recht motiviert und als der Schmäh auch in der Runde zu laufen begann, machte das Wetter uns beinahe auch nichts mehr aus.
Bruno befischte den rechten Teil des Sees (warum auch immer / Daniel hatte dazu seine eigene Theorie), Daniel verlagerte sich auf die Mitte, so blieb mir der linke Teil um meine Montagen zu platzieren.
Arbeit erledigt und endlich wurde eine Tasse heißen Tees getrunken, abgerundet mit einem zwischendurch Schluck aus Daniels Flachmann.
Bevor es finster wurde bescherte uns Bruno schon das erste Highlight indem er den kleinsten Fisch des Sees, so dachten wir aus dem See zauberte. Lachen ohne Ende und Unverständnis meinerseits, da es Bruno nicht gelang seine Finger hinter dem Fisch zu verstecken. Aber diese Geschichte wollte Bruno so nicht auf sich sitzen lassen und legte kurze Zeit später noch ein Seemonster auf die Matte. Diesmal handelte es sich schon um einen Karpfen aus der Krabbelstube der nach seiner Fotoablichtung durch das Fotostudio Polsinger wieder zurückgesetzt wurde.
Da Daniel auf einer Rute einen Wurm am Haar präsentiert hatte und dieser Rute sich durch einzelne Pieper mehrmals zu Wort meldete, kontrollierte er diese vorsichtshalber und staunte nicht schlecht, als am andren Ende der Schnur eine Kaurausche auftauchte. (Er sollte mit drei Karauschen unser Karauschenkönig werden) Der Fisch wurde ohne lange Umschweife wieder zurückgesetzt, da es sich ja um keinen Zielfisch handelte. ;-)
So, jetzt durfte ich auch mal. Biss, Drill wenn man das so nennen darf und schon hielt ich den neuen Rekord für den kleinsten Fisch am See in Händen. Wir waren uns einig, dass der Fisch gerade geschlüpft sein musste und so die Gefahr die durch meinen Popi ausging, noch nicht kennen könnte. Auch dieser Fisch wurde dokumentarisch erfasst und anschließend wieder in die eiskalte Freihalt entlassen.
Das Soll war erfüllt, Bruno und ich hatten beide unsere Karpfen, nur Dr. Polsinger schwächelte ein wenig und an diesem Umstand sollte sich an diesem Tag auch nichts mehr ändern. Die Nacht war frostig und völlig unproduktiv. So konnten wir am nächsten Morgen den anderen maximal unsere Frostbeulen und Erfrierungen anschaulich machen.
Bis Mittag hatten wir Zeit um noch einen Fisch zu fangen und da Bruno und ich unsere Soll eigentlich erfüllt hatten, ließen wir es gemächlich angehen. Nur Dr. Polsinger hatte es ein wenig eiliger seine Montagen neu zu platzieren. Voll Elan und Motivation arbeitete er um seinen Namen noch reinzuwaschen und somit nicht in unserem Spot und Hohn untergehen zu müssen. Aber es wäre nicht unser Herr Dr. Polsinger, wenn er uns nicht eines Besseren belehren sollte. Nein, er konnte nicht nur den größten Fisch unserer Session fangen (immerhin ca. 5 kg), es gelang im auch noch einen unserer Zielfische - weswegen wir ja eigentlich gekommen waren - anlanden.
Klein, aber sehr sehr fein mussten wir dies neidlos anerkennen und machten uns gegen den frühen Nachmittag voll zufrieden auf den Heimweg.
Bedanke mich nochmals bei Bruno und Daniel für den vom feinsten kulinarischen und auch äußerst unterhaltsamen Trip. ( Fotos Daniel Polsinger)